Kriterien für ein gutes Zusammenleben – Eine interreligiöse Wohngemeinschaft auf Zeit

Zehn christliche und sechs muslimische junge Frauen lebten eine Woche lang gemeinsam unter einem Dach und probierten es aus: das gute Zusammenleben in Vielfalt. Tagsüber ging jede ihrem gewohnten Alltag nach: Uni, Arbeit, Sprachkurs und am Abend trafen sich alle, um gemeinsam zu essen, zu beten, zu diskutieren, voneinander zu lernen oder auch zu tanzen.

Im Laufe der Woche stellten die jungen Frauen einen Katalog zusammen, der die Kriterien festhält, die sie für ein gutes Zusammenleben in der WG und damit auch für die Gesellschaft als hilfreich empfunden haben. Ein Beispiel aus dem WG-Alltag: Einige der Teilnehmerinnen waren tagsüber zuhause, weil sie „nur“ lernen mussten. Wenn dann später am Tag die anderen Frauen in ihr „Zuhause auf Zeit“ zurückkehrten, wurde jede freundlich begrüßt und gefragt, wie ihr Tag war und wenn nötig aufgeheitert. Und so wanderten die Kriterien „gesehen werden“ und „sich aufheitern“ in den Kriterienkatalog. Um Politik ging es in der Frauen-WG natürlich auch. Am Abend des 9. Novembers wurde die Pfarrerin der Studierendengemeinde eingeladen. Mit ihr diskutierten die jungen Frauen, ob und welche Verantwortung Religionen in Gesellschaft und Politik haben, auch angesichts des Versagens im sogenannten Dritten Reich. Nicht für alle war politisches Engagement gleich wichtig oder mit dem Glauben verbunden und doch war für alle das Eintreten gegen Rassismus und Diskriminierung eine klare Sache – nicht zuletzt, weil einige von ihnen davon direkt betroffen sind und dies auch zur Sprache kam. Dabei war es möglich, sich wertschätzend über die Perspektiven der Opfer und oftmals hilflosen Zuschauerinnen auszutauschen und voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu ermutigen.

Veranstalter: Evangelische Jugend Nürnberg

Regeln für ein gutes Zusammenleben